Wer wir sind

…und was wir wollen

Praxis Europa ist ein Zusammenschluss von Menschen aus den Wissenschaften, aus der Zivilgesellschaft, aus der Wirtschaft, aus Verwaltungen und dem Kulturbetrieb, die gemeinsam über ein demokratisches, gerechtes und zukunftsfähiges Europa nachdenken und dessen drohenden Zerfall aufhalten wollen.

Wir haben keinen Plan B, der Europa mit Sicherheit aus der Krise holt. Es gibt keine fertige Roadmap in der Pipeline, und wir sind nicht in allen europapolitischen Fragen einer Meinung. Wir sind jedoch überzeugt, dass es nicht ausreichen wird, der toxischen Internationale aus autoritären Nationalisten und populistischen Unternehmerfiguren mit europäischen Grundüberzeugungen und einem trotzigen „Weiter so“ entgegenzutreten. Wer sich darauf zurückzieht, lässt sich die Agenda diktieren und macht sich darüber hinaus zum Knecht des institutionellen Status Quo.

Stattdessen heißt es jetzt: Themenhoheit und Bewegungskraft zurückgewinnen. Damit dies keine hohle Phrase bleibt, nehmen wir uns bei Praxis Europa den Raum und die Freiheit, die wir benötigen. Im Zentrum unserer Initiative stehen kritische Praktikerinnen und Praktiker aus verschiedenen Sektoren der Gesellschaft. Die meisten von ihnen zählen zur mittleren Generation der heute etwa 30- bis 50-Jährigen: Sie wollen sich jetzt darüber verständigen, was sie vorhaben und wozu es dabei Europa braucht (und wozu vielleicht auch nicht).

Wir können uns nicht länger auf die privaten Aspekte einer „gelungenen Lebensführung“ zurückziehen. Der Aufstieg der autoritären Nationalisten reißt viele, vor allem jüngere Menschen auf schmerzhafte Weise aus ihrer europäisierten Lebensweise: Ihre Pläne und Hoffnungen sind bedroht, in manchen Ländern sogar ihre berufliche Existenz und ihre Freiheit. Dieses böse Erwachen zeigt einmal mehr, dass nichts des bisher in Europa Erreichten „gesichert“ ist, es verdeutlicht aber auch, dass es sich lohnt, für gemeinsame Anliegen zu kämpfen. Das europäische Projekt muss von den auf dem Kontinent lebenden Menschen immer wieder neu begründet, bestätigt und verteidigt werden. Auch das gehört zur Praxis Europa.

Das Gründungspathos der Nachkriegsgeneration und der aufgeklärte Absolutismus der Funktionseliten verfangen bei Jüngeren nicht mehr. Denn Europa ist längst da. Hier. Und auch dort. Wir alle machen es jeden Tag. Es prägt, ob bewusst oder nicht, unsere Biografien, beeinflusst längst, was wir für möglich und was für gerecht halten und mit wem wir uns vergleichen. Aber wir machen uns das nicht immer deutlich genug. An dieser Erkenntnis wollen wir mit Praxis Europa ansetzen, um unser Europadenken auf die Höhe der realen Europäisierung zu bringen und dadurch wiederzubeleben.

Wie wir arbeiten

Praxis Europa will zeigen, wozu Europa gebraucht wird. Wir formulieren Zukunftsideen, die aus der alltäglichen Berufspraxis unserer Mitglieder heraus entwickelt werden. Thematisch gebündelt geschieht dies zunächst in mehreren „Praxisfeldern“:

  1. Das kosmopolitische Europa: Wir setzen uns für eine demokratische, von der bürgerschaftlichen Ebene ausgehende Erneuerung der Europäischen Union ein und unterstützen Initiativen, die dazu gute Vorschläge machen. Wir wollen Konvivialität und Solidarität zwischen alteingesessenen und neu hinzugezogenen Europäerinnen und Europäern in den Städten und auf dem Land fördern.
  2. Das soziale Europa: Der vermeintlichen Alternativlosigkeit neoliberalen Wirtschaftens und Lebens treten wir mit starken Ideen für ein sozial gerechteres Europa entgegen.
  3. Globale Kooperation: Wir denken und gestalten Europa im Kontext globaler Menschheitsaufgaben, allen voran des Klimawandels.
  4. Europäische Praxisorte: Europäische Praxisorte sind Orte und Dinge, welche Menschen miteinander verbinden können, die einen ganz unterschiedlichen, aber gleich starken Bezug zu ihnen haben. Wir begeben uns auf die Suche nach solchen Orten in Europa und fragen nach ihrem gemeinschaftsstiftenden Potenzial.
  5. Nach Bologna: Wir engagieren uns für eine kosmopolitische, mehrsprachige und qualitative Bildung in Schule und Hochschule, Beruf und Alltag.
  6. Digitale europäische Öffentlichkeit: Wir machen Vorschläge, wie die Digitalisierung menschenfreundlich und sozialverträglich gestaltet werden kann und nutzen die Chancen des Internets für eine demokratische Deliberation.

Praxis Europa ist kein politisches Aktionsbündnis, sondern arbeitet an verschiedenen europäischen Orten als Europa-Salon und Ideenschmiede für Menschen aus verschiedenen Praxisfeldern. Wir halten uns gegenseitig auf dem Laufenden und bieten einen Denk-Raum, in dem neue Ideen für Europa entstehen können.

Praxis Europa veranstaltet eine jährliche Konferenz, die erstmals vom 20.-22. Oktober 2017 in Essen stattfindet. Die Konferenzsprache ist Englisch, eingeladen werden Europäerinnen und Europäer aus der gesamten EU und aus mehreren Anrainerstaaten.

Claus Leggewie, Roman Léandre Schmidt und das Team von Praxis Europa, im Februar 2017