Beyond Bologna

Universitäten als Labore einer europäischen Gesellschaft

Coordinator: Felix Ackermann, Germany/Poland

Als akademische Nomaden des 21. Jahrhundert ist für uns Europa jeden Tag aufs neue Experiment, Wirklichkeit und Herausforderung. Wir verstehen „Praxis Europa“ als Einladung, um uns über den doppelten Sinn des akademischen Unterwegsseins auszutauschen. Einerseits genießen wir in vielen Teilen Europas eine bisher ungekannte Selbstverständlichkeit von Austausch und Verwobenheit wissenschaftlichen Arbeitens. Andererseits geht diese mit einem hohen Maß an sozialer Unsicherheit und politischen Bedrohungen einher. 2017 sind in mehreren Staaten europäische Universitäten und mit ihnen die akademische Autonomie in Gefahr. In der Türkei verloren innerhalb weniger Monate über 4.000 Kolleginnen und Kollegen ihr Auskommen und die Anbindung an ihre Hochschulen.

Wir verstehen die Universität als Labor einer europäischen Gesellschaft, in dem wir aktiv auf diese Veränderungen reagieren, in dem wir nach neuen Wegen suchen, um Wissenschaft, Gesellschaft und Politik in ihren Zusammenhängen zu denken und daraus Schlussfolgerungen für unser Handeln zu ziehen. Wir nutzen dazu die bereits etablierte Praxis des aktiven Übersetzens unterschiedlicher kultureller, sprachlicher und disziplinärer Diskurse, um die Universität als Relais zwischen Handeln und Reflexion zu etablieren. Hier zählt nicht allein die Debatte, sondern auch die Art wie sie organisiert und in welcher Form sie durchgeführt wurde. Durch die Suche nach neuen Formen der Teilhabe innerhalb der Universitäten, aber auch an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, funktionieren Hochschulen somit als Labore für Partizipation und deren Grenzen.

Eine europäische akademische Praxis, in der nicht nur zählt, was gesagt wird, sondern auch wie es gesagt wird und wie der Prozess beschaffen ist, in dem unterschiedliche Perspektiven Ausdruck finden, ist mehr als die im Bologna-Prozess beschriebene Angleichung der Studien- und Lehrbedingungen. Wir wollen weit mehr als die im Rahmen von Erasmus erhöhte Mobilität von Studierenden und Lehrenden und die mit Horizon2020 geförderte Schaffung von Forschungsclustern. Wir wollen, dass deutlich wird, wie die daraus resultierende Erfahrung die Gegenwart Europas als ganzes verändert.

Participants

Felix Ackermann, Germany/Poland

Ayşe Çavdar, Turkey

Silja Graupe, Germany

Olga Shparaga, Belarus